Verstummt oder: wir benutzen Gebärden

Verstummt oder: wir benutzen Gebärden

März 15, 2018 Aus Von Claudia

Und plötzlich ist die Mama still und darf kein Wort mehr sagen. Keine Reaktion mehr auf das Gebrabbel des Minis, weil die Grippe nochmal so richtig zugeschlagen hat und Mama keinen Pieps mehr raus bringt. Das ist auch der Grund, warum es eine Weile recht still hier war: erst waren wir alle erkältet und kaum das wir damit durch waren, hab ich mir irgendwo die Grippe aufgesackt. Und bei einer Grippe hilft auch keine Hühnersuppe (die HIER ist super lecker;) ) mehr. Der Papa hat sie nun auch, nur der Mini hält die Stellung. Ich bin zum Glück fast durch, bei meinem Hals ist das aber noch nicht ganz angekommen.

Ich bin eigentlich ’ne Schnatterente, die hatte ich schon als Symbol in Krippe, Kindergarten und Grundschule. Und das hat sich über die Jahre auch nicht geändert, ich erzähl schon gern und viel, wenn der Tag lang und auch kurz ist. Zum Glück war ich bisher in meinem Leben um ein Sprechverbot herum gekommen, ich war maximal heiser vom lauten Feiern die Nacht vorher. Aber auch diese Zeiten sind schon eine Weile her. Aber dass ich aufgrund einer Grippe oder Erkältung nicht sprechen darf?! Kann ich mich nicht mehr dran erinnern.

Irgendwann musste es dann doch kommen und das war letzten Freitag. Nachdem ich am Donnerstag nochmal einige meiner Whatsapp Kontakte mit Informationen bequatscht hatte, war es Freitag morgen vorbei mit Geschnatter. Kein Pieps kommt mehr raus, nur flüstern. Und das soll man ja auch nicht, um die Stimme zu schonen. Jeder, der gern und viel erzählt, versteht wie schlimm das ist. Mit einem kleinen Baby ist das für mich noch viel schlimmer. Wir brabbeln miteinander, der Mini probiert sich aus, findet neue Laute, die in jeder Lautstärke und in zig Varianten ausprobiert werden und die ich bzw. auch der Papa immer nachquatschen, von Anfang an, ganz automatisch. Und das ging mit einem Mal nicht mehr.

Gebärden mit dem Baby

Das hat mir fast das Herz gebrochen, nur flüsternd mit ihm zu brabbeln. Zum Glück hatte ich vor einiger Zeit meine Weiterbildung und uns wurde BabySignal vorgestellt. Kennt ihr das? Bei BabySignal unterstützt man einige Wörter mit zugehörigen Gesten, angelehnt an die deutsche Gebärdensprache. Es gibt für den Anfang eine Gebärde für z.B. Mama und Papa oder Baum. Und natürlich gibt es auch noch viel mehr, Hallo und Tschüß oder für Komm, ich nehm dich hoch. Ich habe mir direkt das Buch BabySignal Mit den Händen sprechen mit Widmung von Wiebke Gericke gesichtert und wir haben im Alltag schon Mama und Papa kräftig geübt. Das ist alles ausbaufähig, aber grad in so einer Situation wie jetzt, wo ich nicht sprechen darf, bin ich froh, dass ich das kenne und es anwenden kann. Anfangs war ich skeptisch, aber so kann sich unser Mini mit der Zeit auch selbst besser ausdrücken, er lernt die Gebärden ja von uns, schaut sie sich ab und kann sie selbst einsetzen. Das gibt Kindern ein tolles Gefühl der Selbstwirksamkeit, sie können sich viel besser verständlich machen und wir Eltern müssen nicht mehr lange rätseln, was unser Baby von uns möchte. Ein Einstieg ist auch jederzeit möglich, worüber ich froh bin. Der Mini wird ja viel zu schnell größer und im besten Fall startet man schon mit 3-6 Monaten, da sind wir mit fast neun Monaten schon echt spät dran.

Wir versuchen nun noch mehr Gebärden in unseren Alltag einzubauen. Ich gebe zu, die Routine fehlt noch, wir üben aber fleißig. Und es macht irre viel Spaß zu sehen, wie unser Lütter gespannt und neugierig schaut, wenn wir das machen. Einfach schön, seine Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen.

Ich kann es jedem nur ans Herz legen, BabySignal auszuprobieren. Es macht nicht nur den Kleinen Spaß, sondern auch den Eltern und was gibt es besseres, als sich gegenseitig gut verstehen zu können?

Eure zurzeit schweigsame Claudia