Aber du musst doch…Brei füttern!

Aber du musst doch…Brei füttern!

Januar 29, 2018 Aus Von Claudia

Erstmal vorweg: ’n Scheiß muss ich! Und ich verstehe es gern als Aufforderung, genau das Gegenteil dessen zu tun, was ich tun müsste. Ginge es nach manchen Menschen, müsste ich eine ganze Menge:

  • den Mini unbedingt mit Brei füttern
  • ihn alleine und in seinem eigenen Bettchen schlafen lassen
  • den Mini immer nur hinlegen, damit sein Rücken keinen Schaden nimmt
  • ihn schreien lassen, damit man seine Stimme hört
  • mit ihm im Kinderwagen durch die Gegend schippern und ihn bloß nicht zu viel tragen
  • den Mini nicht immer so betüdeln, wir verwöhnen ihn sonst noch…

Diese Liste ließe sich noch fortführen, aber sie gibt schon einen guten Eindruck dessen, was man sich als Jungeltern so anhören darf. Damit sind wir definitiv nicht alleine, den ein oder anderen Punkt hat sich jeder schon mal anhören dürfen.

Taube Ohren und Scheuklappen

Erstaunlich ist, dass jegliche Argumente zum Entkräften dieser Aussagen auf taube Ohren stoßen. Egal welche wissenschaftlichen Hintergründe ich nenne, egal welche logischen Argumente ich dem entgegen stelle – es wird erst aufgehört zu reden, wenn ich meine, der Arzt hätte uns das so empfohlen. Egal, ob es stimmt oder nicht (in 99% der Fälle stimmt es nicht), vorher wird keine Ruhe gegeben. Kennt ihr das auch?

Bleiben wir beim ersten Punkt, den Mini mit Brei füttern zu müssen. Diese Empfehlung kam aus einer anderen Generation, in der scheinbar genau das empfohlen wurde bzw. es so von den eigenen Eltern übernommen wurde. Heute sieht es zum Glück anders aus. Ich kann mich sehr viel besser über aktuelle Empfehlungen informieren und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse abrufen. Das alles heißt trotzdem nicht, dass das nun das Gelbe vom Ei ist und so und nicht anders richtig wäre.

Es macht immer Sinn, sein eigenes Köpfchen anzustrengen

und Dinge zu hinterfragen. Wer mich kennt, weiß, dass ich selten irgendwas einfach hinnehme, sondern lieber selbst nachforsche, ob das mir Gesagte auch stimmt und mir dann gern meine eigene Meinung bilde.

Sinnvoll?

Aber zurück zum Brei füttern müssen. Ich habe generell eine Abneigung gegen das ausschließliche Füttern von Brei. Warum? Weil es für mich nicht logisch ist. Wir sind als Babys immer noch auf Steinzeit eingestellt, auch wenn die für uns schon sehr lange vorbei ist. Allerdings sind es nur einige tausend Jahre und das ist in der Entwicklung des Lebens wahrlich nicht viel. In der Steinzeit gab es keine Pürierstäbe oder Gabeln zum Zerdrücken von Essen. Was also haben wir da gegessen? Vorrangig Muttermilch, vorallem im ersten Lebensjahr. Die WHO empfiehlt glücklicherweise ausschließlich Muttermilch oder Flaschenmilch als Hauptnahrungsquelle im ersten Lebensjahr, alles andere ist BEIkost.

Und irgendwann, wenn das Interesse beim Baby da war, es u.a. einigermaßen, mit wenig Unterstützung stabil sitzen konnte und der Zungenstoßreflex verschwunden war (alle Beikostreifezeichen habe ich hier bereits aufgelistet), dann hat das Baby einfach das mitgegessen bzw. probiert, was bei den Eltern auf dem Teller landete. Also gekochtes oder rohes – Gemüse, Obst, Fleisch, was eben da war. Aber bestimmt keine pürierte Karotte oder Süßkartoffel über Wochen hinweg (wird zum Glück heute auch nicht mehr empfohlen). Höchstens mal ein paar Erdbeeren, von Mama im Mund vorgekaut und an’s Baby weiter gegeben, wenn die Sammler an einem Feld vorbei kamen und sich satt aßen. Ebenso wurden durch die feste Kost die Muskeln im Kiefer beansprucht, so dass sich der Kiefer entsprechend ausbilden konnte. Nachgewiesenermaßen gibt es Kieferfehlstellungen erst seit der massenhaften Fütterung von Brei bei Babys.

Bei uns wird gemischt

Für mich ist es also nur logisch, unserem Mini hauptsächlich das anzubieten, was wir auch Essen. Babygerecht zubereitet, das heißt ungewürzt, entweder roh oder so weich gegart, dass es mit der Zunge am Gaumen zerdrückt werden kann und in für Babys handlicher Form. Macht für mich keinen Mehraufwand. Ganz klar, dass der Mini sein Essen dann auch selbst nehmen kann, ich ihm also nichts in den Mund stopfe, sondern er selbst den Löffel (mit etwas Führung von mir, damit er ihn sich nicht bis tief in den Hals steckt und sich verletzt) oder die Sticks nehmen kann. Aufgrund all dessen, was ich genannt habe, ist nur Brei zu füttern für mich inakzeptabel. Ich versuche, dem Mini die Nahrung in verschiedener Form anzubieten: roh oder gekocht in Stick-Form und zermatscht. So kann er auswählen und probieren und lernt Essen in seinen verschiedenen Formen kennen. Und bisher läuft es gut, bis auf den Aussetzer aufgrund des Klinikaufenthalts kommt es beim Mini gut an.

Schlussendlich kann jeder alles bei seinem Kind machen, wie er möchte. Unser Weg passt sicher nicht zu jedem und zu jeder Familie und das ist gut so. Wichtig finde ich aber, informierte Entscheidungen zu treffen und sich über die eventuellen Folgen seines Handelns für sich und sein Kind klar zu sein. Ich möchte an dieser Stelle unbedingt die Bücher Kinder verstehen von Herbert Renz-Polster und Einmal breifrei, bitte! von Loretta Stern und Eva Nagy empfehlen. Tolle Hintergrundinformationen zur breifreien Beikost (Einmal breifrei, bitte!) und zur Kindesentwiclkung im Allgemeinen (Kinder verstehen).

Wir müssen uns heut nicht mehr zu Marionetten der Industrie oder überholter Ansichten machen lassen. Also informiert euch und probiert aus, testet und habt Spaß dabei 🙂

Eure Claudia